IT-Strategie15. Sept. 20266 Min. Lesezeit

IT-Modernisierung neu denken: Warum SAP-Projekte auf den Bestand setzen — und warum das allein nicht reicht

SAP stellt den ECC-Mainstream-Support 2027 ein — doch die meisten Mittelständler wählen keinen Neustart, sondern die Bestandskonvertierung. Warum das oft klug ist, wo die Fallstricke liegen und was Unternehmen vor dem ersten Beratertermin klären sollten.

IT-Modernisierung neu denken: Warum SAP-Projekte auf den Bestand setzen — und warum das allein nicht reicht — IT-Strategie

SAP stellt den Mainstream-Support für das weit verbreitete ECC-System Ende 2027 ein. Für mittelständische Unternehmen mit laufenden SAP-Installationen bedeutet das: entscheiden, vorbereiten und migrieren — in weniger als zwei Jahren. Wer danach noch auf ECC setzt, zahlt Aufpreise für Extended Maintenance oder läuft ohne Sicherheitsupdates.

Was dabei viele überrascht: Die meisten Unternehmen wählen keinen Neustart auf der grünen Wiese. Sie konvertieren ihr Bestandssystem — ein Vorgehen, das in der Fachwelt als Brownfield-Migration bezeichnet wird. Hinter dieser Entscheidung steckt mehr als Bequemlichkeit. Und dennoch verfehlen Branchenanalysen zufolge rund 60 Prozent dieser Projekte ihr Budget, ihren Zeitplan oder ihre Qualitätsziele.

Brownfield, Greenfield, SDT — was hinter den Begriffen steckt

Drei Migrationsansätze haben sich in der Praxis etabliert. Brownfield (technische Systemkonvertierung) übernimmt vorhandene Prozesse, Konfigurationen und Daten nach S/4HANA — schneller, kostengünstiger, mit bekannten Abläufen. Greenfield (Neuimplementierung) beginnt nach SAP-Best-Practices von Grund auf — moderner, aber deutlich aufwendiger. SDT (Selective Data Transition) kombiniert beide Ansätze: Teile des Systems werden modernisiert, bewährte Bereiche übernommen. Für Unternehmen mit funktionierenden ECC-Prozessen und engem Zeitfenster liegt Brownfield nahe: Untersuchungen zur S/4HANA-Migration zeigen, dass technische Konvertierungen in der Regel sechs bis zwölf Monate dauern — deutlich kürzer als Greenfield-Projekte. Der Ansatz bewahrt auch das operative Wissen, das über Jahre in Prozesse und Konfigurationen eingeflossen ist.

Warum trotzdem sechs von zehn Projekten das Budget verfehlen

Die Wahl des richtigen Migrationswegs ist nur der erste Schritt. Die häufigsten Ursachen für Budgetüberschreitungen liegen nicht in der Technik selbst — sondern in Faktoren, die sich im Vorfeld erkennen und adressieren lassen.

  • Unterschätzter Prozessänderungsaufwand: Fast die Hälfte der Unternehmen nennt Geschäftsprozessanpassungen als größtes Migrationshemmnis. Viele behandeln den Umstieg als IT-Projekt — dabei erfordert er Fachbereichsverantwortung und Entscheidungsgewalt auf Management-Ebene.
  • Jahrzehnte an Eigenentwicklungen: Ein Unternehmen, das ECC 15 Jahre lang betrieben hat, trägt häufig hunderte Z-Transaktionen und proprietäre Schnittstellen. Diese bestehen nach der Brownfield-Konvertierung weiter — sie müssen bewertet, angepasst oder abgelöst werden.
  • Ressourcenknappheit: Qualifizierte SAP-Berater sind rar, und die Tagessätze steigen — je näher der 2027-Stichtag rückt, desto mehr. Wer zu spät mit der Partnersuche beginnt, zahlt mehr und hat weniger Auswahl.
  • Fehlendes Change Management: Wenige Unternehmen investieren systematisch in Schulungen und Prozess-Workshops. Dabei entscheidet die Akzeptanz auf Fachbereichsebene maßgeblich darüber, ob das neue System nach dem Go-live tatsächlich genutzt wird.

Was Mittelständler jetzt konkret tun sollten

Wer jetzt anfängt, hat noch Zeit für eine strukturierte Vorbereitung. Brownfield oder Greenfield ist aber die falsche Ausgangsfrage. Zuerst braucht es eine ehrliche Bestandsaufnahme — und manchmal die Überlegung, ob S/4HANA überhaupt das richtige Ziel ist. Eine fundierte IT-Beratung und Technologiebewertung lohnt sich vor dem ersten SAP-Beratertermin deutlich mehr als danach.

  • Bestands-Inventar anlegen: Welche Eigenentwicklungen (Z-Code, proprietäre Schnittstellen, Reports) laufen heute produktiv? Ohne diesen Überblick sind Aufwandsschätzungen nicht belastbar.
  • Prozesse vor Systemen prüfen: Welche Abläufe funktionieren gut, welche sind seit Jahren ein Workaround? Die Migration ist eine seltene Gelegenheit, Altlasten abzuwerfen — aber nur, wenn man sie kennt.
  • Unabhängige Bewertung einholen: SAP hat ein Interesse daran, dass Kunden auf S/4HANA wechseln. Ob das für Ihr Unternehmen der richtige Weg ist — oder ob maßgeschneiderte Softwarelösungen für bestimmte Prozesse die bessere Wahl wären — beantwortet eine neutrale Technologiebewertung. Unser Vergleich Individualsoftware vs. Standardsoftware gibt erste Orientierung.
  • Change Management von Anfang an einplanen: Technische Migration und Begleitmaßnahmen sollten im Verhältnis 60/40 budgetiert werden — in der Praxis liegt das Verhältnis oft bei 90/10, und dort scheitern Projekte.
  • Externe Kapazitäten frühzeitig sichern: Qualifizierte Ressourcen werden bis 2027 knapper. Wer die Partnersuche auf 2026 verschiebt, zahlt höhere Tagessätze und hat weniger Auswahl.
SAP-Migration ist kein IT-Projekt — sie ist eine Unternehmenstransformation mit einem IT-Werkzeug. Wer das erst nach dem Kick-off versteht, verliert Zeit und Budget.

IT-Modernisierung strategisch planen — Erstgespräch mit NoviCogi

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.

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